In diesem Blog finden Sie Rezensionen und Buchempfehlungen zu Büchern, die ich gelesen habe und Hinweise auf meine eigenen Neuerscheinungen. Die Beiträge sind als Werbung zu verstehen.

Klicken Sie auf den Titel, um den ganzen Beitrag zu lesen.

 

Belletristik   Kinderbuch   Krimi   Jugendliteratur  Kochbuch   Ratgeber-Gesundheit   Ratgeber-Garten   Hist. Roman

Bettina Balàka: Die Tauben von Brünn

Dienstag, 27. August 2019 - in Rezensionen-Historischer-Roman

Bettina Balàka, Die Tauben von Brünn, Rezension, Buchempfehlung, Brünn, Wien, Taubenzucht, Johann Karl von Sothen, Freiherr von Sothen, Reichtum, Betrug, Belletristik

Johann Karl von Sothen ist ein bekannter Großhändler und Bankier. Zu seinem Reichtum ist er durch Betrug gekommen. Er hatte dem Brieftaubenzüchter Wenzel Hüttler am Sterbebett den Lottoschein gestohlen. Seine Tochter, die neunjährige Berta, hatte davon nichts mitbekommen. Ihr ein Jahr älterer Bruder Eduard dagegen schon. Johann Karl nahm sich den beiden Waisenkindern an und brachte sie zu einer Tante, die Wirtin eines Gasthauses in Brünn war. Siebzehn Jahre alt war er damals gewesen und ließ sich noch Hans nennen. Gut gegangen war es ihm damals nicht mit seinem trunksüchtigen Vater. Der Tabaktrafikant und Lottokollektant konnte sich und seinen Sohn kaum über Wasser halten.

Berta war ihrem Vater bei der Taubenzucht immer eine große Hilfe gewesen. Auch bei ihrer Tante ist sie für die Tauben verantwortlich. Als Berta erwachsen ist, holt Johann Karl sie schließlich zurück nach Wien. Tabaktrafik und Lottokollektur bestehen nun nicht mehr nur aus einem schäbigen Gewölbe, sondern einem ganzen Gebäudekomplex. Johann Karl ist ein reicher Mann. Die Mansardenwohnung, in der einst Berta mit ihren Eltern und dem Bruder wohnte, ist nun auch in seinem Besitz. Johann Karl ist kaum wiederzuerkennen. Sein Reichtum spiegelt sich in seiner Leibesfülle wider. Doch genug hat er nicht. Er beginnt Berta für sich einzunehmen und abhängig von sich zu machen, denn sie kann ihn noch viel reicher machen.


Was für eine Geschichte! Johann Freiherr von Sothen ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Er präsentierte sich als Wohltäter, war aber ein äußerst geschickter Betrüger und Ausbeuter und stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Die Autorin hat das, was über Johann Karl bekannt ist, in diesem Roman fantasievoll aufgearbeitet. Sie lässt den Leser über Berta Hüttler ganz nah an ihn herankommen. Während ihr Vater, die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, noch auf Aberglaube setzte bei der Ermittlung der Gewinnzahlen, hält der Freiherr von Sothen sich doch lieber an Tatsachen. Mithilfe der Brieftauben, sie sind schneller als der Bote, versucht er vorab an die Gewinnzahlen heranzukommen und glaubt, dass niemand seinem genialen Plan auf die Schliche kommen wird. Er hat Berta schließlich in der Hand. Aber nicht nur sie muss sich mit ihrem ärmlichen Leben abfinden, während Johann Karl immer reicher und reicher wird.

Die Autorin hat ein tragisch-komisches Schauspiel entwickelt, das sehr gut unterhält. Ihre Erzählweise ist besonders, ihre Wortwahl raffiniert! Spöttische und ironische Untertöne beleben den Text. Es ist unglaublich, wie Johann Karl von Sothen vorwärts strebt und seine Position weiter ausbaut. Und doch sind seiner Macht Grenzen gesetzt. Die Geschichte hat ein Ende, mit dem der Freiherr wohl nicht gerechnet hat!

Rezension von Heike Rau

Bettina Balàka
Die Tauben von Brünn
192 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag
ISBN-13: 978-3552063990