Die Süßkartoffel ist lecker und gesund. Doch die Knollen aus dem Supermarkt haben meist weite Transportwege hinter sich und kommen oft aus Regionen, in denen ihr Anbau viel Wasser und Energie verbraucht. Aber es gibt eine nachhaltige Alternative. Du kannst Süßkartoffeln im Garten anbauen, wobei der Anbau im Hochbeet oder im Kübel besonders erfolgversprechend ist. Im Blogbeitrag erkläre ich dir nicht nur, wie du deine Pflanzen frühzeitig vorziehen kannst.
Warum gekaufte Süßkartoffeln oft eine schlechte Klimabilanz haben
Ich habe einige Werbeprospekte durchgesehen. Angeboten werden amerikanische Süßkartoffeln, aber es sind auch welche aus Ägypten zu haben. Auch aus Israel können die Knollen stammen, wobei sie auch in China kultiviert werden. Was in europäischen Ländern wie Portugal oder Spanien angebaut wird, fällt dagegen kaum ins Gewicht. Süßkartoffeln brauchen zum Wachsen 20 bis 25 Grad. Deshalb werden sie insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen angebaut. Entsprechend braucht es Folientunnel, um die kälteempfindlichen Pflanzen in Ländern mit kühlerem Klima kultivieren zu können, was energieaufwendiger ist. Damit Süßkartoffeln das ganze Jahr über verfügbar sind, müssen sie außerdem in klimatisierten Lagerräumen aufbewahrt werden. Du kannst dir sicher denken, dass auch das sehr viel Energie kostet. Dennoch habe ich auch Bio-Süßkartoffeln von der Insel Reichenau in einem Werbeprospekt entdeckt. Aufgrund der Lage herrscht dort ein mildes Klima, sodass der Anbau in kleinem Umfang stattfindet. Hier am Bodensee werden sogar Physalis und andere exotische Früchte kultiviert.
Hinweis: Die Süßkartoffel (Ipomea batata) wird auch Batate, Knollenwinde oder Weiße Kartoffel genannt, wobei im Handel eher die rotschaligen Varianten, die ein orangefarbenes Fruchtfleisch haben, erhältlich sind.
Süßkartoffel Anbau im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon
Dass die Bedingungen für den Süßkartoffelanbau hierzulande nicht eben von Vorteil sind, weißt du bereits. Trotzdem kann es sich lohnen, im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon einen Versuch zu starten, damit du in den Genuss der Knollen kommst, ohne auf Importware aus dem Supermarkt zurückgreifen zu müssen. Die Kulturzeit beträgt bis zu 130 Tage. Bataten haben also eine doch etwas längere Wachstumszeit als viele andere Gemüsesorten. Aber die Sommer dauern durch den Klimawandel so manches Jahr länger und sind wärmer, was zumindest der Süßkartoffel zugutekommt. Nach den Eisheiligen kann es losgehen mit dem Pflanzen, denn Frost verträgt die Knollenwinde nicht. Notfalls kannst du ein Vlies zum Abdecken verwenden, falls du zu voreilig mit dem Auspflanzen warst.
Das ist wichtig, wenn du Süßkartoffeln anbauen möchtest:
- Der Standort muss vollsonnig und windgeschützt sein.
- Der Boden sollte locker, nährstoffreich und leicht sandig sein.
- Eine gute Drainage ist wichtig, um Staunässe zu vermeiden.
Wie du an Süßkartoffel-Pflanzen kommst
Im April und Mai gibt es in den Gartenmärkten oder online verschiedene Sorten an Süßkartoffelpflanzen im Topf zu kaufen. Ich rate dir aber, die Sprossstecklinge aus Knollen selber zu ziehen, denn es ist ganz einfach, kostengünstig und macht viel Spaß. Im März kannst du mit dem Vorziehen der Pflanzen beginnen. Dazu benötigst du eine oder mehrere Süßkartoffeln, je nachdem, wie groß die Ernte werden soll. Es funktioniert mit den im Handel erhältlichen. Ob du zu konventionell angebauten oder zu Bio-Süßkartoffeln greifst, bleibt dir überlassen. Achte darauf, dass die Knollen nicht zu groß sind, gesund aussehen und keine beschädigten oder faulen Stellen haben.
Süßkartoffel-Stecklinge mit der Wasserglas-Methode gewinnen
Es gibt zwei Methoden, und empfehlen kann ich dir, die Stecklinge in Wasser zu ziehen. Du kannst die Süßkartoffel auch in einem Blumentopf mit Erde austreiben lassen. Aber bei der Wasserglas-Methode lässt sich Tag für Tag beobachten, was mit der Knolle passiert, und das Wachstum der Wurzeln verfolgen. Es ist ein spannendes Experiment, mit dem du am besten im März startest:
- Wasche die gekaufte Süßkartoffel gründlich.
- Stecke dann jeweils drei Holzzahnstocher oder Ähnliches unterhalb des oberen Drittels in gleichmäßigen Abständen direkt in die Knolle, so wie es auf meinem Foto zu sehen ist.
- Setze sie dann in ein Glas oder eine Glasvase mit Wasser, sodass die Zahnstocher den oberen Teil der Knolle über Wasser halten.
- Achte darauf, dass der untere Knollenteil nur ungefähr 2 Zentimeter tief ins Wasser eintaucht.
- Wechsle das Wasser häufig und halte das Glas sauber! Sonst fault die Knolle und es bildet sich Schimmel.
- Wenn du magst, kannst du deiner Süßkartoffel auch lustige Wackelaugen und eine Nase aufkleben. Ich hatte da noch was von der letzten Bastelaktion und finde, das ist eine schöne Idee.
Nach zwei Wochen solltest du die erste kleine Wurzel entdecken können. Schau genau hin! Sie ist haarfein und verzweigt sich später. Weitere kommen dazu. Nach etwa weiteren zwei Wochen wächst dann der erste Trieb. Oftmals bilden sich mehrere, aber manchmal bleibt es auch bei einem. Der kleine Trieb wird von Tag zu Tag kräftiger und auch er bildet eigene Wurzeln aus, die ein bisschen dicker sind als die anderen. Sie wachsen auch sehr viel schneller.
Haben die Triebe eine Länge von 15 bis 20 Zentimetern erreicht, kannst du die Süßkartoffel in einen Topf mit Erde einpflanzen. Oder du nimmst die frischen Triebe samt Wurzeln ab, entfernst die unteren Blätter, falls nötig, und lässt diese weiter ohne Knolle im einem Glas mit Wasser wachsen. Auch hier finde ich die Wasserglas-Methode besser.
Alternative: Wenn es dir lieber ist, kannst du die Pflanze auch direkt von Anfang an in Erde ziehen, beispielsweise in einem etwas größeren Topf mit lockerer und nährstoffreicher Erde, die du gleichmäßig leicht feucht hältst, ohne Staunässe zu verursachen. Zu empfehlen ist eine Bio-Gemüseerde. Aber wie gesagt, du kannst dann das Wurzelwachstum nicht beobachten. Es dauert lange, bis du siehst, dass deine Vorgehensweise von Erfolg gekrönt ist, und etwas wächst.
Gute Voraussetzungen für das weitere Wachstum der Stecklinge:
- Temperaturen von mindestens 20 Grad, damit sich das Wachstum nicht verzögert.
- Ein heller Standort ohne direkte Mittagssonne.
- Häufiger Wasserwechsel.
Haben sich ausreichend Wurzeln gebildet, was wenige Wochen dauert, kommen die Süßkartoffel-Jungpflanzen an ihren endgültigen Platz im Freiland, also ins Beet, in den Kübel oder ins Hochbeet. Warte unbedingt, bis die Frostgefahr vorbei ist, das ist Mitte bis Ende Mai der Fall. Die Süßkartoffel ist eine Kletterpflanze, und so kannst du die Ranken an einem Spalier hochwachsen lassen. Es sieht aber auch sehr dekorativ aus, wenn die langen Triebe vom Hochbeet hängen. Im Beet wird die Pflanze zu einem Bodendecker.
Was beim Einpflanzen der Jungpflanzen wichtig ist:
- Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte im Freiland mindestens 30, besser 40 Zentimeter betragen.
- Wenn du magst, lege Hügelbeete an.
- Auch im Hochbeet sollte dieser Pflanzabstand eingehalten werden.
- Ein Kübel muss mindestens 20 oder noch besser 30 Liter Volumen pro Pflanze haben.
Hinweis: Wühlmäuse mögen Süßkartoffeln zum Fressen gerne. Im Kübel oder Hochbeet sind sie vor den kleinen Nagern gut geschützt.
Die Pflege der Süßkartoffel
- Gieße nach dem Pflanzen an und achte über die gesamte Wachstumszeit auf eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit. Der Wasserbedarf ist eher hoch. Im Beet oder Hochbeet kann eine Mulchschicht aus Stroh, Heu oder Rasenschnitt anfangs für eine stabile Bodenfeuchtigkeit sorgen.
- Gedüngt wird einmal im Monat mit einem organischen Dünger, wobei für Kübel ein Flüssigdünger am praktischsten ist. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von organischem Langzeitdünger. Beachte, dass die Süßkartoffel ein Starkzehrer ist.
- Halte das Beet, das Hochbeet oder den Kübel möglichst frei von Unkraut. Auch in dieser Hinsicht ist eine Mulchschicht zu empfehlen.
Wann ist endlich Erntezeit?
Eine Süßkartoffel bildet im besten Fall während der Wachstumszeit reichlich Tochterknollen aus, die du dann im Herbst ernten kannst. Sobald du bemerkst, dass das Laub vergilbt, beginnt die Ernte. Warte aber nicht, bis es zu kalt wird. Grabe die Pflanze an einem trockenen Tag vorsichtig mit der Grabegabel oder einem Spaten aus und schau, was an Wurzelknollen gewachsen ist. Am besten ist es jetzt, die Süßkartoffeln in der Küche noch etwas nachreifen zu lassen, bevor du sie verarbeitest oder lagerst, damit sich der typisch süße Geschmack entwickeln kann.
Wenn du jedoch nur eine oder zwei Pflanzen hattest, wirst du deine Ernte sicher innerhalb weniger Wochen verarbeiten. Versuche dennoch, ein paar besonders schöne Exemplare bis zum Frühjahr zu lagern, um sie für eine neue Ernte wieder austreiben zu lassen.
Dafür und auch bei größerer Ernte, solltest du zum Lagern der Knollen einen kühlen und trockenen Ort auswählen. So um die 12 bis 15 Grad sind ideal. Vielleicht kommt deine Speisekammer infrage oder der Keller. Der Kühlschrank ist als Lagerort überhaupt nicht geeignet, da die Temperaturen hier viel zu niedrig sind. Lagere nur einwandfreie Knollen.
Wenn du sie einfrieren möchtest, dann gekocht oder blanchiert und in Stücke geschnitten. Roh eingefroren, werden sie nach dem Auftauen matschig.
Wissenswertes: Im Handel sind Ziersorten der Süßkartoffeln erhältlich, die mit ihrem farbigen Laub und den hängenden Sprossen, ein schöner Blickfang im Garten oder auf dem Balkon sind. Und auch die rosafarbenen, violetten, weißen oder lavendelfarbenen Blüten, die wie für Windengewächse typisch trichterförmig sind, sehen schön aus. Die Ziersorten bilden ebenfalls Wurzelknollen aus, aber in geringem Umfang. Deswegen kommen sie auch mit dem Platz aus, den ein Balkonkasten bietet.
Wie du die Süßkartoffeln in der Küche verwenden kannst
Auch wenn die Süßkartoffeln nichts mit den echten Kartoffeln gemeinsam haben, lassen sie sich doch ähnlich in der Küche verarbeiten. Sie können also nach dem Schälen gekocht oder gedämpft werden. (Was auch den Gehalt an Oxalsäure reduziert.) Du kannst sie aber auch mit der Schale backen oder braten, da diese essbar ist. Süßkartoffeln schmecken gut in der Suppe oder als Beilage zu verschiedenen Gerichten. Ich mag sie besonders gerne als würziges Süßkartoffelpüree oder als knusprige Süßkartoffelpommes.
Falls du dich fragst, ob Süßkartoffeln gesund sind: Ja, das sind sie. Sie sind reich an Nährstoffen. Vor allem die komplexen Kohlenhydrate liefern langanhaltend Energie. Die Knollen sind reich an Antioxidantien, darunter Beta-Carotin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird. Dazu kommen insbesondere die Vitamine C, E und K. Bei den Mineralstoffen sind vor allem Kalium und Magnesium zu nennen. Da sie eiweißarm sind, werden sie gerne mit proteinreichen Lebensmitteln ergänzt. Dank des hohen Ballaststoffgehalts sättigen Süßkartoffeln aber gut und unterstützen die Verdauung. Nach dem Kochen und anschließenden Abkühlen entsteht, wie bei der Kartoffel auch, resistente Stärke.
© Text und Bilder Lesefreizeit