Um den Job, den die knallharte Personenschützerin Amy Wheeler gerade hat, könnte man sie beneiden. Denn besondere Aufmerksamkeit erfordert es nicht, sich um die berühmte und steinreiche Autorin Rosie D’Antonio zu kümmern, die zurückgezogen auf ihrem komfortablen Anwesen, das auf einer zu South Carolina gehörenden Privatinsel liegt, lebt. Dass es eine Morddrohung gegen Rosie gegeben hat, muss Amy natürlich im Hinterkopf behalten. Doch ändert sich die Lage, als Amy selbst unter Mordverdacht gerät. Sie soll drei Influencer, die unabhängig voneinander in nicht allzu weiter Entfernung ihren Jobs nachgegangen sind, umgebracht haben.
(enthält Werbung) Als sich der Verdacht gegen sie erhärtet und ihr selbst jemand nach dem Leben trachtet, beschließt Amy, ihren Schwiegervater Steve anzurufen, um ihn mit ins Boot zu holen. Auf ihren Arbeitgeber mit seiner Personenschutz-Agentur kann sie in dieser Sache, wie sich herausstellt, nicht vertrauen. Steve ist ein ehemaliger Kriminalkommissar und seit seiner Pensionierung Privatdetektiv mit Aufträgen, wie sie eben in einem ruhigen englischen Dorf vorkommen.
Wegen weiterer Vorkommnisse bilden Amy und Steve ein Team, um den wahren Mörder zu finden. Rosie, die seit Jahrzehnten als Thrillerautorin erfolgreich ist und deshalb über besondere Expertise und das nötige Kleingeld verfügt, schließen sie mit ein, zumal sie weiterhin Schutz benötigt. Die Spur führt zu einem gewissen François Loubet, beziehungsweise nur zu diesem Namen. Niemand kennt ihn oder hat ihn je gesehen. So jemand hat seine Leute, wie sich von selbst versteht.
Das Buch ist ganz schön spannend, aber nicht so, dass man davon schlaflose Nächte bekommen würde. Vielmehr habe ich mich wunderbar unterhalten gefühlt. Es sind vor allem der Schreibstil des Autors, der mich gefesselt hat, und die skurrilen Charaktere, die ich kennenlernen durfte. Dazu kommt eine Prise Humor oder auch mal mehr, wenn es passt. Zum Beispiel lässt er einen der Ganoven seine Korrespondenz und Tagebucheinträge mit ChatGPT im Ton eines englischen Gentlemans neu formulieren, um seine Identität zu verschleiern. Aber auch die Dialoge sind mitunter unglaublich witzig.
Was den Lesefluss etwas gestört hat, sind die vielen Figuren, die mitunter auch nur eine kleine Rolle spielen, die häufig wechselnden Perspektiven und die vielen Schauplätze. Man hat also ganz schön zu tun, Zusammenhänge zu erkennen oder zu durchschauen, wie das Ganze ausgehen könnte. Ich finde das Buch dennoch als Start dieser Cosy-Crime-Krimireihe sehr gelungen und kann es empfehlen.
Richard Osman: Wir finden Mörder, Ullstein, 978-3-548-07370-5, Kriminalroman, Krimi
© Text Lesefreizeit
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